Die Unsichbaren sind zurück

KollegInnen der Krankenhausreinigung: „Um Altersarmut zu entgehen, müssen Löhne in Gebäudereinigung dringend steigen, sagt auch die Kanzlerin“

KollegInnen der Krankenhausreinigung: „Um Altersarmut zu entgehen, müssen Löhne in Gebäudereinigung dringend steigen, sagt auch die Kanzlerin“

Gestern hat unsere Kollegin Petra Vogel in der ZDF Sendung „Klartext“ unserer Kanzlerin erklärt, wie ihre Zukunft als Rentnerin aussehen wird und sorgte damit für Aufsehen in der Presse und den sozialen Medien. Denn unsere Kollegin ist trotz 40 Jahren harter Arbeit in der Krankenhausreinigung von Altersarmut bedroht und damit ist sie nicht alleine. Ihre Kolleginnen, die für die Reinigung in Krankenhäusern zuständig sind, erwartet das gleiche Schicksal.  

Angela Merkel war dies gestern sichtlich unangenehm und ihrer Vorschläge zur privaten Vorsorge sorgten zu Recht für Verwunderung und Spott in den Kommentarspalten der Online-Medien.

Doch in einem hatte die Kanzlerin recht, um der Altersarmut zu entgehen, müssen die Löhne in der Gebäudereinigung dringend steigen.

Deshalb unterstützt auch der Betriebsrat der KS Kliniken Berchtesgadener Land unsere Lohnforderung von einem Euro mehr pro Stunde. In der letzten Betriebsratssitzung wurde die Ergebnisse der letzten Tarifverhandlung diskutiert. Die KollegInnen kamen allesamt zu dem Ergebnis, dass das was die Arbeitgeber angeboten haben, ein schlechter Witz sei. Deshalb kämpfen sie für mehr.

Auch die Beschäftigten der Servicegesellschaft der Uniklinik Essen unterstützen unsere Tarifforderungen und informieren mit ihrem Betriebsratsvorsitzenden Damir Vejo nach und nach alle Kollegen über unsere Forderungen und den Stand der Tarifverhandlungen.

Die KollegInnen der Helios Reinigung Thüringen GmbH stehen ebenfalls hinter der Tarifforderung und haben dies im Rahmen einer Betriebsversammlung am 13.09.2017 am Standort Hildburghausen auch kund getan. Neben der schlechten Bezahlung, für eine gesellschaftlich zwar wenig anerkannte jedoch absolut notwendige Tätigkeit, empfinden sie die Tatsache, dass sie nach fast 30 Jahren Deutscher Einheit für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommen, als ihre KollegInnen im Westen, als absolut ungerecht.

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2 Kommentare
  1. Es ist schon beängstigend, wie hier von einer langjährigen Mitarbeiterin, Frau Petra Vogel, in der Klinik gearbeitet wird. Offensichtlich hat man in diesem Krankenhaus noch nichts von Keimverschleppung gehört. Es ist unverständlich, wenn von Frau Vogel zuerst die Toilette und anschließend die Einrichtung mit dem gleichen Tuch gereinigt wird.
    Was die Entlohnung betrifft, so muß man die Aussage von Frau Vogel bezweifeln. Wenn Frau Vogel langjährig in der Gebäudereinigung gearbeitet hat, so sollte bei einer regelmäßigen Weiterbildung zumindest die Funktion der Vorarbeiterin möglich sein. Bei einem Stundenlohn von aktuell 11,96 € und der Steuerklasse 1, sind das dann 1.400,00 € netto.
    Auch bei der Gewerkschaft sollte man sich an den Fakten orientieren.
    Lohntarifvertrag ab 01.01.2017 § 3, Lohngruppe 1 mit 10,00 € bzw. 4 (Vorarbeiterin) mit 11,96 €.
    Zustimmen kann ich der Aussage, dass die Entlohnung bei der Innenreinigung (10,00 €) nicht auskömmlich ist. Es steht aber auch Frau Vogel frei, vom Arbeitsamt geförderte Weiterbildungsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen.
    Sicher wird eine freigestelltes Mitglied vom Betriebsrat nicht nach der Lohngruppe 1 bezahlt.

    • Sehr geehrter Herr Hartel, Sie sollten wissen, dass in der Krankenhaus- sowie in der Hotelreinigung bsonders strenge Qualitätsmanagementmaßstäbe und in der allgemeinen Unterhaltsreinibung ebenfalls bestimmte Qualitätsmaßstäbe herrschen.
      In der Gebäudereinigung gilt seit vielen Jahren das Ampelprinzip: blau, gelb, rot.
      Dieses besagt, dass blaue Tücher für Tische und sonstige abwischbare Flächen benutzt werden, gelbe Tücher für Waschbecken und Seifenspender und rote Tücher für Toiletten verwendet werden.Für diese Tücher werden stehen jeweils 3 dazugehörige Behälter mit den dafür vorgesehenden Reinigungsmitteln und Wasser zur Verfügung.
      In der Krankenhaus- sowie in der Hotelreinigung und vielen Einrichtungen mit Bewohnern wurde das neue Qualitätsmanagementsystem nach der Riehemann-Reinigungstechnik eingeführt, nach dem Reinigungsflottensystem, wonach für jedes Zimmer extra neue Tücher und auch Bodenwischer verwendet werden. Diese werden in die dafür vorgesehenen Behälter deponiert, die Reinigungsmittel mit Wasser werden aus einer Dosierungsanlage entnommen. Die Dosierungsanlage garantiert eine exakte und einheitliche Dosierung. Verwendete Tücher und Wischer werden später einer speziellen Reinigung wieder zugeführt. Dieses, wenn auch für den jeweiligen Betrieb und Auftraggeber aufwendige und evtl. auch kostspielige System wird trotzdem in immer mehr Einrichtungen wie o.g. eingeführt und angewandt zur Vermeidung an Übertragbarkeit von Keimen. Das Ampelsystem der allgemeinen Unterhaltsreinigung ist jedoch auch schon seit vielen Jahren Standard. Die allermeisten Reinigungskräfte halten sich an die für sie vorgeschriebenen Richtlinien, da sie verantwortungsbewußt ihre Arbeit verrichten und auch ansonsten mit Sanktionen wie Abmahnung und Kündigung zu rechnen hätten. Soviel erst mal dazu, Herr Hartel,bevor Sie hier den Tätigkeitszweig der Reinigungskräfte in ein schlechtes Licht dazustellen versuchen.
      Es mag evtl. sein, dass sich eine geringe Zahl der Reinigungskräfte daran nicht hält, und zwar aus dem Grunde, da die Arbeitszeiten in Objekten und auf Stationen in einem deratigem Maß gekürzt wurden oder Arbeitsflächen derart erhört wurden, dass dieses Arbeitspensum in der vorgebenen Zeit fast nicht zu schaffen ist. Das liegt an den Wettbewerbsbedingungen in der Reinigungsbranche, daran, dass Auftraggeber Reinigungsleistungen zu immer günstigeren Preisen erwarten und Dienstleistungsbetriebe versuchen, diese dann auch zu immer günstigeren Preisen anzubieten. An dem zu zahlenden Tariflohn können die Firmen nichts ändern, was ja auch richtig so ist. Aber deshalb kürzen sie in ihrer Kalkulation eben die Zeiten oder erhöhen die zu reinigen Flächen oder Anzahl der zu erbringenden Reinigungsleistungen.
      Daher muss auch ein Gesetz und die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, dass im Zusammenhang mit Lohnerhöhung nicht die Arbeitszeit verkürzt und die Flächen sowie die Arbeitsleistungen erhöht werden dürfen. Es muss dementsprechend über genaue Zielvereinbarungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände verhandelt werden und vorallem auch über bestimmte Vorgaben zur Kontrolle und Messbarkeit dieser Vereinbarungen, damit die Politik und Tarifkommission ein entsprechendes Gesetz verabschieden kann. Alles andere ist nur Laberei und wenig effektiv. Und, Herr Hartel, die Reinigungskräfte stehen an unterster Stelle und können am wenigsten dafür.

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