Arbeitgeber beziehen Stellung zur Tarifrunde: „Das Gerede vom Turbo-Putzen ist eine Mär.“

Arbeitgeber beziehen Stellung zur Tarifrunde: „Das Gerede vom Turbo-Putzen ist eine Mär.“

IG_Bauen-Agrar-Umwelt_Logo.svg„Unrealistisch“ und „utopisch“, so bezeichneten die Arbeitgeber in einer Pressemitteilung die Lohnforderungen der Kolleginnen und Kollegen in der Gebäudereinigung. Zur Erinnerung: Die IG BAU fordert 80 Cent mehr pro Stunde für Innenreiniger/innen und 6,4 Prozent mehr für die Lohngruppen 2 – 9 sowie die längst überfällige Angleichung der Löhne in Ost- und Westdeutschland.

Stattdessen haben die Arbeitgeber in der dritten Tarifrunde eine Lohnerhöhung von lediglich 3 Prozent für 26 Monate angeboten (das sind 1,38% pro Jahr, also noch nicht einmal 20 Cent mehr in den meisten Stundenlöhnen). Kein Angebot gab es zur Angleichung der Löhne Ost an West. Das bezeichnen wir als unrealistisch.

Die Arbeitgeber wollen nicht sehen, dass die Löhne in der Gebäudereinigung immer noch Untergrenze sind, viel zu wenig, um ein gutes Leben zu ermöglichen. Die Arbeit in der Gebäudereinigung ist viel mehr wert – keine Almosen.

Der Vorsitzende der Tarifkommission des Bundesinnungsverbandes, Thomas Conrady, meint zur Forderung nach einer tariflichen Regelung der Flächenleistung:
„Das Gerede vom Turbo-Putzen ist eine Mär. Wir haben Stundenlöhne und keine Akkordlöhne. Niemand wird gezwungen, 240 Schreibtische in einer Stunde zu reinigen oder 500 Papierkörbe zu leeren, wie es die IG BAU behauptet.“

Im Tarifvertrag gegen Leistungsverdichtung geht es um viel mehr als Papierkörbe leeren. Vor und nach Lohnerhöhungen werden Reviere erweitert, damit gibt es für Beschäftigte statt mehr Geld mehr Leistungsdruck. Wir fordern Weiterbildung und Einarbeitungszeiten und wollen die Betriebsräte ins Boot holen, damit wir gemeinsam faire Arbeit in der Branche erreichen. Konkrete Maßnahmen müssen her, damit sich etwas ändert. Polemik und einzelne Punkte rausgreifen, helfen nicht.

Seit Jahren berichten uns Beschäftigte und Betriebsräte immer wieder von Reviererweiterungen oder Personalabbau in den Objekten. Gleichzeitig wachsen die Umsätze der Unternehmen weiter und weiter. Doch das Wachstum der Branche darf nicht auf Kosten der bereits jetzt am Limit arbeitenden Kolleginnen und Kollegen gehen. Tarifverträge sind das richtige Mittel auszugleichen und Arbeitnehmer an einer guten Entwicklung der Branche zu beteiligen.

Das sehen Herr Conrady und der Bundesinnungsverband offensichtlich anders. Denn neben dem Mini-Angebot zum Lohn, lehnt der Bundesinnungsverband nach eigener Aussage weiterhin Verhandlungen über einen Tarifvertrag gegen „angebliche Leistungsverdichtung“ in der Branche „strikt ab“. Deshalb müssen wir die Arbeitgeber auffordern: „Sehen Sie endlich die Probleme in der Branche, hören Sie sich die Vorschläge der Gewerkschaft und Arbeitnehmer an und – suchen Sie mit uns nach verbindlichen Lösungen.“ Wir wissen doch alle: Nicht hören – nicht sehen – nicht sagen bringt nicht weiter, schon gar nicht, wenn es um Menschen und deren berechtigte Forderungen geht.

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