DGB Einblick: Ulrike Laux über steigenden Druck und Leistungsverdichtung in der Gebäudereinigung

Tarifvertrag gegen Leistungsdruck

In Tarifverhandlungen geht es um mehr Geld, um Prozente. Aber nicht nur. Zunehmend verhandeln Gewerkschaften neben den quantitativen Forderungen auch qualitative. Dazu gehören andere Arbeitszeitregelungen, das Recht auf Weiterbildung oder die Gestaltung des demografischen Wandels. Ein Novum ist, tarifvertraglich Leistungsverdichtung auszuschließen. Eben das will die IG BAU nun für das Gebäudereiniger-Handwerk erreichen.

Leipzig 16.06.2015 Demo

Gebäudereiniger. Der Tarifvertrag gegen Leistungsverdichtung, den die IG BAU für das Gebäudereiniger-Handwerk anstrebt,  wäre der erste dieser Art in Deutschland. In der anstehenden Tarifrunde fordert die IG BAU für die rund 600 000 Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk neben höheren Löhnen auch  eine verbindliche Regelung gegen Turbo-Putzen und Leistungsdruck. „Seit Jahren beobachten wir, dass Betriebe vor und nach Tarifrunden die zu putzende Fläche ohne Zeitausgleich erhöhen oder die Beschäftigten die gleichen Quadratmeter in kürzerer Zeit reinigen müssen. Das bedeutet im Ergebnis, die Beschäftigten bezahlen ihr Lohnplus selbst, trotz guter Branchenentwicklung“, erklärt IG BAU-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführerin Ulrike Laux. Sie will „eine Lösung, die verhindert, dass die Beschäftigten im Job verschlissen werden“.

Die IG BAU will in dem Tarifvertrag gegen Leistungsverdichtung etwa regeln, dass es keine Zeitkürzungen und Reviererweiterungen vor und nach Tarifverhandlungen mehr gibt. Der Quadratmeterleistung seien körperliche Grenzen gesetzt, und diese müssten tarifvertraglich festgelegt werden. Zudem will die Gewerkschaft sicherstellen, dass ausreichend Einarbeitungszeit gewährleistet wird und die Beschäftigten mehr Weiterbildung erhalten.

Pensum nicht zu schaffen
„Gebäudereinigerinnen und Gebäudereiniger, die neu in ein Objekt kommen, sind oft auf sich allein gestellt“, beschreibt Ulrike Laux. Sie erhielten so gut wie keine Einweisung, sollen aber genauso schnell arbeiten wie eine erfahrene Fachkraft. Das sei nicht zu schaffen. „Die Zeitkalkulation ist überknapp und geht von einem optimalen Reinigungsverlauf aus. Jeder Umweg wird bestraft“, so Laux. Unter solchen Bedingungen leide nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten, sondern auch die Qualität der Leistung und am Ende das Image der Branche. Auch die Arbeitgeber sollten deshalb ein Interesse an einem Tarifvertrag gegen Leistungsverdichtung haben, meint Laux.

Arbeitgeber ohne Eile
Die IG BAU drängt an den Verhandlungstisch, die Arbeitgeber haben keine Eile. Sie warten erst mal ab, reden vom gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro und schieben den Beginn der Tarifverhandlungen nach hinten. Die IG BAU befürchtet, dass die Arbeitgeber die Tarifverhandlungen 2015 verzögern wollen – zumal es auch um die Angleichung der Entgelte in Ost und West geht.

Erschienen in: einblick 7/2015 vom 8.4.2015
Online seit: 2.4.2015

 

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