IG BAU Fachreferent: „Uns erreichen jeden Tag neue Arbeitsverträge aus der Gebäudereinigung mit deutlich schlechteren Arbeitsbedingungen“

IG BAU Fachreferent: „Uns erreichen jeden Tag neue Arbeitsverträge aus der Gebäudereinigung mit deutlich schlechteren Arbeitsbedingungen“

Trotz anderslautender Bekundungen, wird immer mehr deutlich, dass die Arbeitgeber die Kündigung des Rahmentarifvertrags ausnutzen, um ihren Beschäftigten neue Arbeitsverträge zu schlechteren Bedingungen vorzulegen. Wir haben deshalb Daniel Kopp (Fachreferent beim Bundesvorstand der IG BAU), gefragt, was es damit auf sich hat und welches Ziel die Arbeitgeber damit verfolgen?

 

Warum legen Arbeitgeber den Beschäftigten in der Gebäudereinigung nun neue Arbeitsverträge vor?

Der Rahmentarifvertrag (RTV) ist zum 01.08.2019 von den Arbeitgebern gekündigt worden. Der alte ist zwar in der Nachwirkung und wird verhandelt, trotzdem legen Firmen den Beschäftigten neue Arbeitsverträge vor. Sie sind anders als die alten Verträge, enthalten Zusätze wie Arbeit auf Abruf oder bisherige Rechte fehlen. Die ganzen Zusätze Abruf- und Änderungsverträge, die uns zurzeit erreichen, haben alle eines gemeinsam: sie verschlechtern die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten immens. Es geht den Firmen wohl darum, das Zeitfenster bis zum Abschluss eines neuen RTV auszunutzen, das geht auf Kosten der Beschäftigten.

Welche Beschäftigten sind von Änderungsverträgen hauptsächlich betroffen?

Hauptsächlich sind Kolleg*innen betroffen, die in Teilzeit arbeiten. Immerhin sind dies über 400.000 Beschäftige in der Branche und diejenigen, die befristet beschäftigt sind. Uns sind aber auch Unternehmen bekannt, die rigoros versuchen allen Arbeitnehmer*innen Änderungsverträge unterzujubeln.

Warum gibt es in der Gebäudereinigung so viele Beschäftigte, die von Überstunden betroffen sind?

Die vertraglich vereinbarten Stunden werden möglichst auf einem Minimum gehalten. Das ist ein klassisches Mittel in der Gebäudereinigung, mit einer flexiblen Arbeitszeit zulasten der Beschäftigten zu spielen. Damit wird das unternehmerische Risiko auf die Beschäftigten abgewälzt. Mal ein Beispiel: Die Kollegin hat einen Arbeitsvertrag über vier Stunden täglich, arbeitet aber regelmäßig eine bis drei Stunden mehr pro Tag. Bisher ohne Überstundenzuschlag. Wenn sie krank ist oder Urlaub hat, fällt die Beschäftigte häufig auf ihre vertraglich vereinbarten Stunden zurück. Das Geld reicht vorne und hinten nicht aus. Bisher waren die Beschäftigten damit sehr unzufrieden. Das neue Urteil zur Bezahlung von Überstunden gibt den Beschäftigten die Chance auf eine angemessene Bezahlung, die sie auch dringend brauchen.

Welche Firmen legen ihren Beschäftigten neue Verträge vor?

Das liest sich wie das Who is Who der Branche. Richtig große Player, aber auch Mittelständler und kleinere Betriebe. Uns erreichen täglich neue Arbeitsverträge, so dass wir kaum mit der juristischen Bewertung hinterherkommen – unglaublich.

Was erzählen die Arbeitgeber/Objektleitungen den Beschäftigten, um sie dazu zu bewegen, die Änderungsverträge zu unterschreiben?

Viele Arbeitgeber behaupten, die Kündigung des RTV würde es erforderlich machen. Leider muss ich feststellen, der Kreativität ist keine Grenze gesetzt. Das geht von „Das muss heute noch ins Büro“ über „Ansonsten wird der Vertrag nicht verlängert“ bis „Das ist nix schlimmes, am Lohn ändert sich ja nichts“. Dass Zuschläge wegfallen oder der Urlaub auf 20 Tage reduziert wird, wird natürlich nicht erwähnt.

Passiert es deiner Einschätzung nach häufig, dass Beschäftigte diese Änderungsverträge unterschreiben, ohne zu wissen, was sie da unterschreiben?

Leider ja. Es wenden sich häufig Kolleg*innen in Begleitung ihrer Kinder oder Bekannten an uns, die nicht so gut deutsch sprechen und erst im Nachgang verstehen, was da gelaufen ist. Das gilt aber auch für viele Muttersprachler, die dem Druck von Vorgesetzten nachgeben, aus Angst vor Nachteilen, wie z. B. Versetzungen oder Kündigung.

Wie sollten sich Beschäftigte verhalten, wenn ihnen die Objektleitung einen Änderungsvertrag vorlegt?

Nichts unterschreiben. Das können wir nur immer wieder aufs Neue betonen. Nichts im Arbeitsleben ist so wichtig, als dass es sofort unterschrieben werden muss. Schon gar kein Vertrag.

Was macht die IG BAU, wenn Beschäftigte davon berichten, dass auf sie Druck seitens des Arbeitgebers ausgeübt wird, damit sie den Änderungsvertrag unterschreiben, z. B. damit drohen, dass sie keine Überstunden machen können, wenn sie den neuen Arbeitsvertrag nicht unterschreiben?

Dort, wo es einen Betriebsrat gibt, fordern wir diesen auf, die Beschäftigten zu unterstützen, sie zu informieren und zu begleiten. Wir beziehen möglichst viele in unsere Aktionen ein, damit sie erleben, dass sie keine Angst zu haben brauchen. Aber, wir gehen auch an die Kunden, informieren sie, welche Machenschaften gerade in dem jeweiligen Objekt laufen. Die Unterstützung der Öffentlichkeit, aus der Politik u. s. w., das alles hilft, den Beschäftigten beizustehen und schlechtere Arbeitsbedingungen zu verhindern.

Die Arbeitgeber haben den RTV gekündigt, jetzt müssen sie sehen, wie sie das Chaos wieder einfangen. Wir erwarten von den Innungsbetrieben, dass sie sich für eine Einigung in den Tarifverhandlungen stark machen.

Gibt es Beschäftigte, die den Änderungsvertrag nicht unterschrieben haben und stattdessen mithilfe der IG BAU ihre Ansprüche auf die Überstundenverträge geltend machen?

Selbstverständlich. Der Umgang der Arbeitgeber in diesem Zusammenhang spricht Bände. Es ist bisher zu keinem einzigen Gerichtsverfahren gekommen. Die ausstehenden Löhne sind immer kurz vor dem ersten Verhandlungstermin gezahlt worden. Offensichtlich wissen die Arbeitgeber, dass das Urteil des Bundesarbeitsgerichts dieses Recht geklärt hat und die Teilzeitbeschäftigten den Anspruch auf 25 % Mehrarbeitszuschläge haben.

Welche Auswirkungen hat das auf die Branche insgesamt?

In Zeiten akuten Personal- und Fachkräftemangels ist es von den Arbeitgebern ein falsches Signal, die Arbeitsbedingungen massiv zu verschlechtern, es zeugt nicht gerade von Weitsicht. Mit Auslaufen des RTV hat ein regelrechter Unterbietungswettkampf zu Lasten der Beschäftigten begonnen. Früher oder später wird sich das auch auf die Qualität der Arbeit und somit auf die Kunden auswirken. Nur zufriedene Arbeitnehmer*innen liefern einen guten Job ab und bleiben der Branche treu. Andere werden sich umorientieren.

Wir erwarten von den Arbeitgebern und ihrem Verband, dass sie sich den Herausforderungen stellen und vor allem mehr Weitblick. Unterschiedliche Meinungen müssen in Tarifverhandlungen geklärt werden. Wir als Gewerkschaft stellen uns für die Zukunft auf. Gemeinsam mit den Beschäftigten in der Branche sind wir überzeugt, dass bei den Rahmenbedingungen für die Arbeit noch Luft nach oben ist. Wir wollen raus aus dem Niedriglohnsektor. Wir sehen die Themen und suchen nach Lösungen. Dies zeigen wir aktuell mit unseren richtigen Forderungen, die in die Branche und zu den Beschäftigten passen.

7 Kommentare
  1. Das sind die Anfänge !!!Wehrt Euch und stärkt eure Gewerkschaft, erkennt wie wichtig das ist !!!!!!!!!!!!!

  2. Ich z.B. habe auch Überstunden und ja ich habe und werde sie nicht einfordern, weil ich meine Arbeit behalten will. Wenn ich diese Anfänge einzufordern, weiß ich das man nach Mitteln und Wege sucht, um mich *los zu werden*. Dann wird eine andere kommen die den „neuen“ Arbeitsvertrag unterschreibt und ihn akzeptiert, aber ich bin draußen.
    Also, alles muss man sich nicht gefallen lassen und ich stehe auch voll und ganz hinter hinter der IGBau aber wie schon erwähnt, ich brauche auch meinen Job.

  3. Ich seit 23 Jahren in einem Reinigungsunternehmen tätig habe an Anfang die ersten Jahre Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld erhalten. Dieses wurde vor Jahren gestrichen ABER nur den Reinigungskräften hat man dies genommen . Kollegen im Büro bzw. Personalwesen erhalten heute noch Weihnachtsgeld , Prämien für gute Leistung… ach davon träumen wir. Und ohne uns Putzis hätten die anderen in den Firmen keine Arbeit. Es steht auch uns zu . Mein Unternehmen schreibt jeder Jahr schwarze Zahlen.

  4. Unsere Firma war 4jahre Subunternemer der Bruderfirma.
    Nun hat unser Chef den Zuschlag bekommen und uns wurden die alten Verträge gekündigt und wir gleich mit.Haben dann neue bekommen sind weiter am selben Ort beschäftigt aber unsere Zeiten wurden gekürzt. Urlaubs und Weihnachtsgeld bekommen wir auch nicht… Ist das legal???
    Ich arbeite jeden Tag 4,13 Std.vertraglich habe ich aber nur 2,74std. Offt mache ich bis zu 7std.am Tag. Bekomme ich auch bezahlt aber sind das dann Überstunden? Müsste ich dafür mer Geld bekommen?
    Wir machen Bauabschluss Reinigung und bekommen dafür nur den normalen stundenlohn ist das legal? Manchmal auch Samstag und Sonntag. 🤔 wir reparieren die Waschmaschinen und warten sie.
    Dafür bekommen wir eine Blume oder ein Dankeschön in Worten.
    Ist das Normal????

  5. Ich arbeite jetzt seit 16 Jahre bei meiner Firma und habe mir so manches gefallen lassen. Ich habe mir auf deutsch gesagt den A…. aufgerissen. Man bekommt weder was dafür wenn man 5 oder 10 oder 15 Jahre im Betrieb ist. Ich Frage mich wie Lange man beschäftigt sein muss, damit mal eine Annerkennung kommt. Und jetzt kommen die mit solchen Verträgen, irgendwann reicht es. Und das ist jetzt.

  6. die löhne müssten für normale unterhaltsreiniger bei 12,50 € bis 13 € die Std liegen.

    die We Arbeiten müssten abgeschaft werden außer bei sozialen Einrichtungen ( Krankenhaus, Pflegeheime ).
    Arbeitsverträge ab 1 jahr aufwärts seine Gültigkeit haben .

  7. Ich wollte mal nachfragen, wie es ist wenn eine neue Firma kommt , ist da der Arbeitsvertrag dann auch geändert. Bei mir ist es so , das ich seit 14 Jahren immer die selben Objekte habe und immer wenn eine neue Firma kommt gehe ich mit .

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