Kündigungen statt Aufstockung des Kurzarbeitergeldes. So unsolidarisch ist Piepenbrock in Berlin zu seinen Beschäftigten

Kündigungen statt Aufstockung des Kurzarbeitergeldes. So unsolidarisch ist Piepenbrock in Berlin zu seinen Beschäftigten

Rund 620 Gebäudereinigerinnen und Glasreiniger arbeiten beim Branchen-Giganten Piepenbrock – allein in Berlin und Brandenburg. Einen Großteil von ihnen will die Geschäftsführung in die „Corona-Kurzarbeit“ schicken. Sie stößt dabei jedoch auf erheblichen Widerstand bei den eigenen Beschäftigten, beim Betriebsrat und bei der Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU. Der Grund: „Keine Gebäudereinigerin und kein Glasreiniger kann mit dem, was beim Kurzarbeitergeld übrig bleibt, klarkommen. Eine Vollzeitkraft hat dann nämlich nur noch wenig mehr als 800 Euro für die Miete und zum Leben. Wer Kinder hat, liegt bei unter 900 Euro. Auch das ist viel zu wenig. Und die meisten Beschäftigten in der Reinigungsbranche haben nicht einmal die Chance, Vollzeit zu arbeiten – und damit das volle Kurzarbeitergeld zu bekommen“, sagt Jana Müllner von der IG BAU Berlin-Brandenburg.

Die Gewerkschaft fordert daher von Piepenbrock, dem Beispiel anderer Unternehmen zu folgen und das Kurzarbeitergeld (KUG) aufzustocken. „Solange die Politik kein Netz spannt, um gerade untere Einkommensgruppen aufzufangen, sind die Unternehmen gefordert“, sagt Frank Hartmann. Er ist Betriebsratsvorsitzender bei Piepenbrock in Berlin und fordert seine Geschäftsführung auf, ein „Corona-KUG 80plus“ für die Gebäudereinigung einzuführen – also ein Kurzarbeitergeld von mindestens 80 Prozent des bisherigen Nettolohns. Hartmann will dies in einer Betriebsvereinbarung festschreiben. Immerhin sei zu erwarten, dass die Auswirkungen der Corona-Krise die Reinigungsbranche weit über den April hinaus – vielleicht sogar monatelang – treffen werde.

Doch das Piepenbrock-Management schaltet auf stur, so die IG BAU. Mehr noch: „Sie üben regelrecht Druck aus, um den Betriebsrat zu einer Vereinbarung zu zwingen, die die Geschäftsführung diktiert hat. Piepenbrock droht sogar mit Kündigungen im großen Stil. Erste Entlassungen hat es bereits gegeben, die der Betriebsrat allerdings per einstweiliger Verfügung vom Arbeitsgericht vorläufig gestoppt hat“, sagt Jana Müllner. Die Gewerkschafterin spricht von einem „perfiden Spiel der Piepenbrocks mit der Existenzangst von Beschäftigten, die ohnehin mit einem Niedriglohn abgespeist“ würden. Anders als das Unternehmen Piepenbrock habe eine Reinigungskraft eben keine finanziellen Reserven, um durch die Corona-Krise zu kommen.

„Die Gebäudereinigung in Berlin und Brandenburg steht an einem Scheideweg: Entweder es kommt ein Sonder-Kurzarbeitergeld, das den Beschäftigten erlaubt, halbwegs damit klarzukommen. Oder wir erleben eine Welle von Betroffenen, die ihr Kurzarbeitergeld mit Hartz IV aufstocken müssen. Für Menschen, die jeden Morgen um 3.30 Uhr oder noch früher aufstehen, um gewissenhaft ihren Job zu machen, ist das absolut beschämend. Und hier geht es um Tausende in Berlin und Brandenburg, die das betrifft“, macht die bei der IG BAU Berlin-Brandenburg für die Gebäudereinigung zuständige Gewerkschaftssekretärin Jana Müllner deutlich.

Dass Piepenbrock jetzt „die ‚Kündigungs-Keule‘ schwinge“, zeige, wie hemmungslos das Unternehmen bereit sei, „in der Krise mit der enormen Not und der puren Angst der Menschen zu spielen“. Der Spruch „Wir halten zusammen!“, mit dem Piepenbrock auf seiner Internetseite im Zusammenhang mit Covid-19-Infos offensichtlich den Eindruck einer „solidarischen Piepenbrock-Familie“ suggerieren wolle, gerate damit endgültig zur Farce, so Müllner.

Es gehe bei Piepenbrock um Gebäudereinigerinnen und Glasreiniger, die Hotels in Berlin und Brandenburg sauber hielten. Ebenso die Berliner Philharmonie, die Staatsoper, die Dokumentationsstätte der NS-Verbrechen „Topographie des Terrors“, den Martin-Gropius-Bau als Ausstellungshaus, das Bundesinnenministerium und viele Einrichtungen mehr. All diese Gebäude haben eines gemeinsam: Die Häuser sind entweder komplett oder überwiegend geschlossen, weil Gäste und Besucher wegen der Corona-Pandemie wegbleiben. Viele Beschäftigte arbeiteten im Home-Office, berichtet die IG BAU. „Für die Reinigungskräfte kommt das allerdings aufs Gleiche raus: Sie haben im Moment keine Arbeit mehr“, sagt IG BAU-Gewerkschaftssekretärin Jana Müllner.

Ausgerechnet in dieser Woche nach Ostern werde Piepenbrock nun sein wahres Gesicht zeigen: Denn jetzt würden die Löhne fällig. „Viele Reinigungskräfte sind in den letzten Wochen auf null Stunden gesetzt worden, weil es nichts mehr sauberzumachen gab. Die Chance, in dieser Situation mit dem Betriebsrat eine Piepenbrock-spezifische Regelung zum Kurzarbeitergeld zu machen, hat die Geschäftsführung allerdings vertan“, so Frank Hartmann. Wenn es jetzt noch zu Lohnausfällen komme, spitze sich die Situation weiter zu. „Genau davor warne ich die Piepenbrock-Chefetage“, sagt Betriebsrat Hartmann.

 

7 Kommentare
  1. Ja da hätte ich mal eine Frage ich arbeite auch in der Gebäudereinigung was mache ich wenn ich auch eine Kündigung bekommen sollte und der Arbeitgeber mir denn sagt wenn alles vorbei ist dann kann er mich wieder einstellen vielen Dank erstmal Frank Meier

  2. Ich denke auf jedenfall zu neuen Bedingungen und die dann nicht zu deinen Gunsten sind. Da bekommst du auf jedenfall einen neuen Arbeitsvertrag

  3. Wie handhaben das denn andere Unternehmen in der Gebäudereinigung? Wird dort das Kurzarbeitergeld aufgestockt?

    • Würde mich auch interessieren, bei uns wird auch nicht aufgestockt…

    • Ich und mein Kollegen bekomm 60 Protzent Kurzarbeitsgeld. Bin bei großen Betrieb in Stuttgart. Ist normal, soweit ich weis.

  4. Ich finde, hier kämpfen wir an der falscher Stelle. Kurzarbeit ist doch derzeit an vielen Stellen vorhanden. Da bin ich lieber bei einem Arbeitgeber der mir freiwillig als Minijobber etwas zahlt, als bei einem der gar nichts zahlt

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