„Putzen“ Fotoausstellung in Bremen über Menschen, die Bremen und Bremerhaven sauber halten

„Putzen“ Fotoausstellung in Bremen über Menschen, die Bremen und Bremerhaven sauber halten

Im Vegesacker Geschichtenhaus in Bremen läuft seit gestern eine Ausstellung mit dem Tietel „Putzen“. Die Fotojournalistinnen Silke Kirchhoff und Isabel Winarsch haben Gebäudereiniger aus Bremen und Bremerhaven bei ihrer Arbeit begleitet. Zur gestrigen Eröffnung war auch unser Kollege, Gewerkschaftsekretär der IG BAU, Olaf Damerow geladen. Lesenswert ist auch der Begleittext zur Ausstellung von Anette Melerski. Darin erzählt unser Kollege Olaf, wie sich die Situation der Beschäftigten im Gebäudereiniger – Handwerk in den letzten Jahren verändert hat.

Die Ausstellung kann bis zum 09. 09. 2017  besucht werden. Hier der link zum Ausstellungsort: Vegesacker Geschichtenhaus

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Begleittext zur Ausstellung von Anette Melerski:

Wienern und wischen, säubern, reinigen und schrubben, kehren, feudeln und scheuern: Fürs Putzen gibt es fast so viele Bezeichnungen wie es unterschiedliche Putzmittel gibt. Doch wer sind die Menschen, die Bremen und Bremerhaven sauber halten? Genaue Zahlen für das Land Bremen gibt es nicht: Schätzungsweise sind rund 15.000 Glas– und Gebäudereiniger in Bremen und Bremerhaven beschäftigt.

Einer kennt sie (fast) alle: Olaf Damerow ist Gewerkschaftssekretär für den Bereich Gebäudereiniger- Handwerk der IG Bau-Agrar-Umwelt im Bezirk Weser-Ems. Hochglanzbeauftragte nennt er sie und kämpft schon lange dafür, dass Sauberkeit Zeit braucht und ihren Preis hat: Saubere Fenster, Böden, Fassaden und Toiletten solle es weder schnell-schnell noch zum Schnäppchenpreis geben: „Putzen ist ein Knochenjob. Wer ihn macht, sollte anerkannt und gesehen, nicht ignoriert werden. Oft aber werden sie kaum wahrgenommen, geschweige denn gewertschätzt: von der Öffentlichkeit oft nicht und von vielen Arbeitgebern auch nicht.“ Olaf Damerow erzählt, wie die Auftragsvergabe laufen kann, dass Arbeits- und Gesundheitsschutz auf dem Papier existieren, oft aber nicht in der betrieblichen Praxis und was es mit der sogenannten Flächenleistung auf sich hat: „Eine norddeutsche Kommune hat mal einen Auftrag mit einer Flächenleistung von 1200m² pro Stunde vergeben – für die Reinigungskraft hieße das: mit einem üblichen Wischmopp von 50cm Breite müsste sie in einer Stunde fünf km zurücklegen und dabei auch noch putzen.“

Hatten in den 90er Jahren Firmen und öffentliche Träger oft eigene Putzkolonnen, wurde die Reinigung Anfang der 2000er Jahre immer mehr ausgegliedert. Seriöse Anbieter buhlen seitdem vermehrt mit schwarzen Schafen um Aufträge; die Auftraggeber wollen alles schön sauber haben, aber bitte nicht zu teuer.  Zwischen angemessenem Preis und Dumping-Angeboten stehen die Beschäftigten, die den Preiskampf ausbaden müssen. „Gefühlte 99 Prozent sind Frauen“, so Olaf Damerow, oft Menschen mit nicht-deutschen Wurzeln und weit mehr als die Hälfte derer, die eine Ausbildung im Glas- und Gebäudehandwerk beginnen, haben einen oder keinen Hauptschulabschluss. Nur drei Prozent haben die Hochschulreife: „Das sind dann aber meistens die Kinder der Firmeninhaber“, so die Einschätzung des Gewerkschaftssekretärs.  „Oft landen in der Branche auch Leute, die gar keine Ausbildung gemacht haben. Das heißt aber nicht, dass die Menschen ihren Job nicht gut und verantwortungsvoll machen. Umso wichtiger ist es aber auch, dass die Beschäftigten, ob ungelernt oder nicht, vernünftig und regelmäßig geschult, informiert und eingearbeitet werden.“  Daran arbeitet Olaf Damerow, besucht Beschäftigte zwischen Weser und Ems und lässt sich erzählen, wie es so läuft.

Nur wenige Prozent aller Beschäftigten der Branche sind 2009  gewerkschaftlich organisiert gewesen, heute sind es mehr. Seit dem 1. Januar 2017 gibt es nach dem neuesten Tarifabschluss 10 Euro in der niedrigsten Lohngruppe. „15 Euro für Ungelernte schweben mir vor: man darf auch mal träumen“, so Olaf Damerow.

Silke Kirchhoff und Isabel Winarsch haben an der Hochschule Hannover Dokumentarfotografie und Fotojournalismus studiert und seitdem die Kamera nicht aus der Hand gelegt. Obwohl sie mittlerweile in verschiedenen Städten wohnen – Silke Kirchhoff in Berlin, Isabel Winarsch in Hannover – hat sie das Putzen in Bremen und Bremerhaven beruflich wieder zusammengeführt. Mit ihrer Fotoreportage wollen sie die Aufmerksamkeit auf jene lenken, die sonst oft kaum wahrgenommen werden.

 

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